Die Entwicklung der Mosaikkunst ist nicht lückenlos nachvollziehbar, Kieselmosaiken gab es schon so früh, dass sich die Anfänge verlieren. Über bestimmte Zeiträume florierte die Mosaikkunst, dann war sie lange kaum beachtet, um später an räumlich getrennten Orten wieder aufzutauchen.
URSPRÜNGE
Mesopotamische Tonstiftmosaiken aus dem 3. Jahrtausend v.
Chr. sind die Frühform des Mosaiks. In Uruk (heute Warka im südlichen Irak)
und umliegen- den Städten schmückten diese Mosaiken einst Wände und Säulen
von Tempelfassaden.
Die 4 – 15 cm langen, farbigen Tonstifte wurden in
geometrischen Mustern in eine Lehmmauer gedrückt und dienten sowohl als
Dekoration als auch zur Festigung der Wandkonstruktion.
In einer sumerischen Säule aus dem Ninchursag-Tempel in Ur (südöstlich
von Uruk), finden wir eines der ersten Plättchenmosaiken, das um 2400 v.
Chr. entstand. Hier wurden quadratische und keilförmige Steinchen aus schwarzem
Kalkstein, Perlmutt und rötlichem Sandstein an einer Unterschicht aus Erdpech
befestigt.
Die Ägypter übernahmen die mosaik- artigen Techniken der
Sumerer. Sie schmückten Säulen, Kapitelle und Wände ihrer Tempelbauten mit Plättchen
aus gefärbtem Glas und Keramik
GRIECHISCHE ZEIT
Für die meisten Historiker beginnt die Geschichte des Mosaiks
mit den Griechen, weil diese erstmals Bilder und figürliche Darstellungen in
das Mosaik integrierten. Die frühesten Beispiele sind Kieselmosaiken.
Die Kiesel, die von Wasser und Sand rundgeschliffen waren,
wurden in Mörtel gebettet und hauptsächlich für Bodenmosaiken verwendet.
In dieser Epoche ( ab dem 5 Jh. V. Chr.) wurde das schlichte
Kiesel- steinmosaik als eigene Kunstgattung anerkannt.
Der Schritt vom Kieselstein zum regelmäßig behauenen Steinwürfel
(tessera), war das Ergebnis einer allmählichen Entwicklung, die Anfang des 2.
Jh. v. Chr. begann.
Die frühesten Tesseramosaiken (Opus tesselatum) finden
sich in Delos (Griechenland). Im 1. – 2. Jh. v.
Chr. entstanden naturalistische Darstellungen mit Jagd-,
Masken-, Theaterszenen und die ersten dreidimensionalen Motive.
Die Römer verbreiteten das Opus tesselatum über den gesamten
Mittelmeerraum. In spätrepublikanischer Zeit (ca. 150. v. Chr.) wurde das
Bodenmosaiken nach Rom gebracht. Anfänglich berief man hiefür griechische Künstler,
doch bald schon entstanden überall im römischen Imperium lokale Mosaikwerkstätten.
Zu den bedeutendsten frühen römischen Funden zählen die
Mosaike von Pompeji, mit dem berühmten Alexandermosaik (um 100 v. Chr.).
Das Alexandermosaik besteht aus über 4 Millionen Steinchen, die
nicht größer waren als 4 Quadratmillimeter. Würde man heute eine Kopie des
5,2 mal 2,7 m großen Mosaiks anfertigen lassen, arbeiteten 5 – 6 Mosaizisten
ein Jahr lang, und der Preis läge bei ca. 3 Millionen Schilling (218.000 Euro).
Weitere Höhepunkte früher römischer Mosaikkunst
findet man in Aquilea, in Piazza Armerina/Sizilien und im syrischen Antiochia
Die Römer übernahmen die hellenistische Tradtion des Emblemata-Stils
bis weit ins 2. Jh. nach Chr. Der Emblemata-Stil ist die Verbindung von
Ornamentalem und Bildhaftem. Meist wurde in der Mitte des Bodens ein feiner
gearbeitetes Bild (das Emblem), das in der Werkstatt - oft nach Gemäldevorlagen - angefertigt wurde, eingesetzt. Die
Ornamente rundherum wurden direkt vor Ort mit größeren Tesserae gelegt.
Eine eigenständige römische Mosaiktradition setzte im 1. Jh.
n. Chr. mit großflächigen Kompositionen in Schwarz/Weiß ein. Das Bildmotiv
ist schwarz und hebt sich - wie im Neptunmosaik
in Ostia - vor dem hellen Hintergrund kontrastreich ab. Seit dem 2. Jh. n
.Chr. setzt sich das polychrome Mosaik durch und wird für die römischen
Mosaiken vorbildlich.
FRÜHCHRISTENTUM, RAVENNA, BYZANZ
Abseits des byzantinischen Reiches wurden im Mittelalter die
Kirchen weniger mit Wand- als wieder mehr mit Fußbodenmosaiken geschmückt. Der Stil ist flächig und linear. Die
Figuren sind mit knappen Strichen skizziert, auf Details und Farbabstufungen
wird verzichtet. Oft wurden die Mosaiken von den Mönchen selbst gelegt und es
war offensichtlich, dass zu dieser Zeit Form und Ausführung unwichtig waren,
was zählte war allein der Inhalt, der
Jugendstil und Secession entdeckten das Mosaik auch wieder als
eigene Kunstform und schufen den „Mosaikkünstler“, der sowohl entwirft als
auch ausführt.